HSG Schlaubetal-Odervorland – HC Spreewald 23:24 (12:10)
„AUSWÄRTSSIEG… AUSWÄRTSSIEG!!“ hallte es am Samstag zum Ende eines an Spannung kaum zu übertreffenden Spiels durch die Schlaubetal-Halle.
Technisch sicherlich kein Augenschmaus, läuferisch eher Schnecke als Gepard und stellenweise weitaus mehr Gerammel als feine Spielzüge. Was nicht wirklich nach einem guten Spiel klingt, wurde für alle angereisten Spreewälder am Ende durch viel Kampfgeist und Willenskraft zu einem kleinen Highlight dieser Saison.
Aber was war passiert? Nach dem erfolgreichen Coup gegen die TSG II am vergangenen Sonntag machte sich bei den Trainern Kranick und Dressel Anfang der Woche recht schnell Ernüchterung breit. Durch Urlaub, Verletzung und Arbeit meldeten sich gleich 8 Spieler für die Auswärtsfahrt ins Schlaubetal ab.
Die Zwote hatte gleichzeitig auch ein wichtiges Spiel und so standen uns inklusive Torhüter nur 9 Männers zur Verfügung. Um wenigstens ein bisschen durchwechseln zu können, entschlossen sich die beiden Trainer das Team für kurze Verschnaufpausen als Spieler zu unterstützen. Zu diesem Zeitpunkt konnte noch niemand ahnen, wie spielentscheidend dieses Angebot sein würde.
Durch den hohen Heimsieg im Hinspiel war uns klar, dass wir auch mit einem kleinen Kader in diesem Spiel nichts zu verschenken hatten. Bis auf Rechtsaußen war jede Position zumindest mit einem dafür ausgebildeten Spieler besetzt und über die bisher sehr gute Abwehrleistung unserer Gurkentruppe sollten wir uns schon Bälle erarbeiten können.
Nach dem Anpfiff zeigte sich aber erstmal ein anderes Bild. Die Abwehr stand zwar gut, war stellenweise aber zu träge und öffnete damit Lücken für die Gastgeber, die diese dann entweder direkt zum Torwurf nutzen oder 7-Meter-Entscheidungen erzwangen. Bereits in dieser Anfangsphase kristallisierte sich ein hartes Duell heraus. Im dritten Angriff der HSG knallte es zwischen Steamo und seinem Gegenspieler beim Versuch des Durchbruches das erste Mal so, dass das Spiel unterbrochen werden musste. Die Folge: mit blutender Nase musste der Gegenspieler das Feld verlassen und konnte nicht mehr eingesetzt werden. Wir wünschen an dieser Stelle gute Besserung.
Ein paar Angriffe später dann wiederum der Schock auf unserer Seite. Nach mehreren nicht gefangenen Bällen von Yannick fiel auf, dass sich dieser wohl am Finger verletzt hatte. Kein Gefühl mehr drin und keine Bewegung mehr möglich, auch Tape half nicht. Damit war das Spiel für ihn ebenfalls gelaufen. Auch dir gute Besserung Yannick.
Mit jeweils einem Spieler pro Seite weniger, startete dann das Spiel in die nächste Phase. Durch einige Ballverluste und mehrere Paraden der Schlaubetaler Torhüter lagen wir folgend bereits 5 Tore hinten (9:4, 20. Minute). Nun hieß es Kopf bewahren, die beiden Trainer aufs Feld holen und in dieser ungewohnten Konstellation zu unserem Spiel finden. Wenig ansehnlich mag dieser Spielabschnitt gewesen sein, doch Angriff um Angriff spielten wir uns ein und kamen den Gastgebern damit immer näher. Bis zur Halbzeit verkürzten wir den Abstand auf 2 Tore und gingen mit einem guten Gefühl in die Kabine.
Große Ansprachen konnten wir nicht erwarten. Die Fraktion ü35, welche die Hälfte des verbleibenden Teams ausmachte, rang um Luft und nur vereinzelt hörte man Ansagen wie „einfach weiter machen“ und „wir holen die uns noch“.
Mit dieser Einstellung ging es zurück auf Feld. Wir setzten den ersten Treffer und kamen damit auf ein Tor ran. Doch für weitere 13 Minuten liefen wir der HSG hinterher. Erst dann glichen wir zum 17:17 aus (44. Minute).
Danach bekamen wir zwei 2-Minuten-Strafen hintereinander. In doppelter Unterzahl ackerten wir was das Zeug hielt, konnten die erneute 2 Tore Führung der Gastgeber jedoch nicht verhindern. Nun folgten die letzten 9 Minuten des Spiels. Eine Crunchtime die ihrem Namen alle Ehre machen sollte.
Über den 7-Meter-Punkt erhöhte die HSG noch einmal auf 3 Tore (21:18) und sah sich damit wohl schon als sicherer Punktekandidat. Aber nicht mit uns. Stehend KO und mit der Anzeigetafel im Rücken ging es mit jeder einzelne Abwehraktion, jeder Balleroberung und jedem erfolgreichen Abschluss um alles oder nichts. Die Gastgeber zeigten sich beeindruckt und wir erzielten 5 Minuten vor Schluss den erneuten Ausgleich (22:22).
„Nur noch 5 Minuten!“ schrien die 4 mitgereisten HC-Fans. „Das schaffe ich nicht mehr“ erwiderte Jens. Doch dann kam was kommen sollte und musste. Dreieinhalb Minuten vor dem Abpfiff traf Jonas zu unserer ersten Führung in diesem Spiel. Das gab allen noch einmal Kraft und ließ jeden Schlaubetaler, ob Spieler oder Zuschauer, kurz verstummen. Den nächsten Angriff abfangen, dann noch einen machen und den Vorsprung über die Ziellinie bringen, war nun das Kredo. Das erneut aufkommenden Getrommel der Heimfans wurde durch ein laut zu hörendes „Defense!“ unserer Zuschauer zu unserem ganz eigenen Mantra umfunktioniert und wie in Trance setzten wir den Plan um und uns damit auf 2 Tore ab.
Eine Minute stand noch auf der Uhr. Das MUSS doch reichen. Dann 23 Sekunden vor Schluss der Gegentreffer durch eine Unachtsamkeit unserer Abwehr. Ein Tor Abstand. Nun gut, das lässt sich runterspielen. Natürlich setzte die HSG nun auf die offene Deckung, doch wir waren in Überzahl, das kann man also ausspielen. Ivo sah das anders. Mit viel Zug zum Tor sollte die Entscheidung fallen, doch der Torwurf wurde gehalten. 7 Sekunden noch, ein langer Pass auf den bis dahin treffsichersten Schlaubetaler Robert Kaberidis, der frei zum Torwurf kommt. Alles ist still.
Dann platzt die pure Freude aus uns heraus und wir stürmen den 6-Meter-Raum. Wolle hat den Ball gehalten.
Was war das für ein Krimi. 55 Minuten lang lagen wir hinten, waren körperlich weit überm Punkt und wollten am Ende den Sieg doch ein bisschen mehr als die Gastgeber. In der Kabine war die Freude entsprechend groß und mehr als einmal fiel der beliebte Satz „Das gute Pferd springt nur so hoch wie es muss“. In unserem Fall war es der alte Gaul, der mit viel Erfahrung nicht eine Minute daran gezweifelt hat, dass wir den Sieg noch holen konnten. Solche Spiele muss man aber schon einmal gespielt haben, um das wirklich ernsthaft zu glauben. Alle Beteiligten werden diese Erfahrung nun nutzen können und sich in schweren Spielen sowie feucht fröhlichen Runden daran erinnern.
Ein großer Dank geht an die Trainer für ihren Einsatz. Mit 5 Treffern war vor allem Lolle nicht nur zweitbester Torschütze unserer Gurkentruppe, sondern gerade in der heißen Phase ein wichtiger Pfeiler in unserem Spiel.
Aber egal wie schön es war, zum nächsten Heimspiel wollen wir die alten Hasen wieder schonen und mit den üblichen jungen Wilden auflaufen. Am Samstag, dem 28. Februar um 18:00 Uhr fordern wir Revanche gegen die Jungs aus Babelsberg. Das Hinspiel gaben wir knapp aus der Hand, doch mit unserer lautstarken Kulisse im Rücken wollen wir den nächsten Sieg nach Hause holen.
Für die Gurkentruppe kämpften:
Ivo-Maurice-Kay (4 Tore), Pascal (7), Steamo (2), Christian (5), Jens (2), Nico (1), Kai-Alexander und Jonas J. (3/2) mit Marc und Daniel im Tor sowie Yannick mehr oder weniger auf der Bank
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